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Die Berichte zur „Frauen- und Müttergruppe“ sowie zur „Väter- und Männergruppe“ wurden von unseren Praktikantinnen Carla Paetow und Duygu Topaloğlu geschrieben. Sie besuchen die Fritz-Karsen-Schule in Neukölln und sind derzeit in der 11. Klasse. Um einen Einblick in die Arbeit der Migranten-Selbstorganisation zu bekommen absolvierten die besten Freundinnen ein dreiwöchiges Sozialpraktikum bei uns.

 

Bericht zur „Frauen- und Müttergruppe“ von Carla Paetow

Als ich die letzten drei Wochen mein Praktikum bei Aufbruch Neukölln e.V. gemacht habe, war ich in der „Frauen- und Müttergruppe“. Ich habe mir das Ganze mal angeschaut und wollte wissen, worüber geredet wird, ob gemeinsam Lösungen gesucht und gefunden werden und wie die Atmosphäre untereinander ist. Ich habe mir eine kleine Gruppe vorgestellt, die über Probleme aus dem Alltag reden und dann versuchen gemeinsam Lösungen zu finden. Und genau so war es dann auch. Zuerst habe ich mich natürlich vorgestellt und kurz etwas über mich erzählt. Einige Frauen waren auch neu in der Gruppe, die sich dann auch nochmal kurz vorgestellt haben. Jeder konnte dann ein Thema nennen, für das man Interesse hat oder das einem gerade auf dem Herzen liegt. Themen waren zum Beispiel: Vertrauen, Freunde und Heimat aber auch einsam oder glücklich sein. Es war interessant zu sehen, wie miteinander diskutiert wird. Alle haben aufmerksam zugehört, doch manchmal wurde jemand unterbrochen und es ist etwas lauter geworden. Die Leiterin der Gruppe hat dann zwischendurch immer mal wieder gesagt, dass jeder jeden ausreden lassen soll. Die Atmosphäre war sehr angenehm und alle waren sehr nett. Wenn Lösungen gesucht wurden, hat jeder einzeln gesagt, was man dagegen tut kann oder wie man sich gegen bestimmte Dinge ablenken kann. 

 

Bericht zur „Männer- und Vätergruppe“ von Duygu Topaloğlu

Als ich das erste Mal von der Vätergruppe des »Vereins Aufbruch Neukölln e.V.« gehört hatte, konnte ich mir darunter nicht wirklich etwas vorstellen. Ich stellte mir nur eine Gruppe vor, die größtenteils aus türkischstämmigen Männern besteht und sich öfter trifft, um gemeinsam über Probleme und Schwierigkeiten zu reden. Jedoch dachte ich immer, dass sie Probleme thematisieren, von denen sie selbst nur betroffen sind. Das dreiwöchige Praktikum hat mir aber gezeigt, dass das so nicht stimmt. Als ich an einer Sitzung der Vätergruppe teilnehmen durfte, ist mir bewusst geworden, dass sie sich mehr mit den Problemen der Gesellschaft auseinander setzen oder auch mit Problemen, die nur bestimmte Gruppen unserer Gesellschaft betreffen, wie zum Beispiel Schüler aus Migrantenfamilien, die Unterstützung in der Schule brauchen. Außerdem planten sie direkt ein kleines Projekt, um diesen Schülern helfen zu können. Die Planung zeigt wie lösungsorientiert die Gruppe bei Problemen vorgeht. Es war interessant zu erfahren, dass der Fokus nicht nur auf die Probleme der Teilnehmer der Vätergruppe gelenkt war. Andererseits gab es natürlich auch Themen, die einige aus der Gruppe betrafen. Darüber wurde offen geredet und es wurde auch gemeinsam nach einer Lösung gesucht. Generell war die Atmosphäre in dem Raum während der Sitzung sehr angenehm. Die Gesprächsregeln wurden von jedem eingehalten und Meinungsverschiedenheiten führten nie zu einer starken Auseinandersetzung. Trotz Teilnehmern, die etwas zurückhaltender waren, wirkte nie jemand desinteressiert, gelangweilt oder ausgegrenzt. Jeder hörte aufmerksam jedem zu. Außerdem wurde viel gelacht und hin und wieder ein bisschen gescherzt - in den passenden Momenten. Die Vätergruppe wirkte wie eine kleine und faire Familie, die sehr motiviert ist vieles in unserer Gesellschaft ins Positive zu verändern.